Ausstellung
dirty denim
Schloss Ringenberg, Hamminkeln 2005
Kurator, Dr. Gudrun Bott, Marcus Lütkemeyer


HARD BOILED WONDERLAND, 2005

René Zeh baut aus Fund- und Suchstücken sowie aus Zitaten des Alltagsleben, der Kunst-, Design- und Werbewelt raumgreifende Architekturinstallationen, die modellhaft das menschliche Grundbedürfnis individueller Verortung erproben - ganz körperhaft, Fragen des Wohnens und Reisens betreffend, aber auch intellektuell-mental, sich aus sozial-kulturellen Kontexten rekrutierend.
Ausgehend von den assoziativen Potentialen der Werkstoffe zappen die Arbeiten durch hybride, divergente Vorstellungsräume - durch räumliche Versuchsanordnungen, die, ob begehbar oder miniaturisiert, wenig heimelig daherkommen, obwohl sie aus den Bausteinen kollektiver Erlebniswelt erstellt wurden.
Was entsteht, sind keine utopischen Weltanordnungen, sondern vielmehr lustvolle (Kultur-)Robinsonaden, deren (un-)romantisch-utopisches Potential bereits in der Gegenwart angekommen ist und sich dort im banalen Alltag aufgelöst hat.

Marcus Lütkemeyer 2005


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Exhibition
dirty denim
Schloss Ringenberg, Hamminkeln 2005
Curator, Dr. Gudrun Bott, Marcus Lütkemeyer


HARD BOILED WONDERLAND, 2005

René Zeh builds from find and search peaces as well as from quotations of the every day life, art-, design- and advertising world, room reaching architecture installations. Which model-likely tests the human basic need of individual detection. – quite corporeal, concerning questions of living and travel, but also intellectual mentally, recruiting themselves from social cultural contexts.
Starting out from the associative potentials of the materials, the peaces are zapping through hybrid, divergent conception-areas, through spatial experimental adjustments, which, whether accessibly or miniaturized, don´t come alongcosy; Although they were made from the components of a collective world of experience.
What does arise, are no utopian world arrangements but (culture-) Robinsonaden rather full of relish, whose (un-) romantic- utopian potential already has arrived in the presence and has dissolved there in the banal everyday live.

Marcus Lütkemeyer 2005


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Ausstellung
heute hier morgen dort
Halle für Zeitgenössische Kunst, Münster 2004 / 2005
Kurator,
Marcus Lütkemeyer

BLOCK 2004
feat. Transporter, Inseln, entweder oder doch

Noch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde der Rückzug ins Private als Verfall und Ende des öffentlichen Lebens angemahnt. So hatte der Verlust eines transzendenten Ordnungsmodells im 19. Jahrhundert das Anwachsen eines säkularen Materialismus zur Folge und die Individualisierung der Gesellschaft vorangetrieben. Im Privaten galt fortan, den Mangel öffentlicher Expressivität durch Intimität, Selbstoffenbarung und Authentizität zu kompensieren, was zum sogenannte Cocooning führte, das den Einzelnen formte, die urbanen Strukturen und ihre Gesellschaft dagegen nachhaltig deformierte.
René Zeh hat für heute hier, morgen dort... eine Installation konzipiert, die Phänomene des Wohnens und Reisens und deren sonderbare Allianzen aber auch Widersprüche mit Blick auf zeitgenössische Individualisierungstendenzen fokussiert. Ein ruppiges Baugerüst von 3,50 Meter Höhe und 3 x 4 Metern Grundfläche schließt knapp unter den Rohrverstrebungen der Hallendecke mit einem betretbaren Plateau, an dem seitlich eine kubische, zur Plattform offene, schlichte Holzbox angebracht ist. Die Innenseiten der Box verkleiden Stadtpläne der Weltmetropolen, auf dem Boden liegt eine Decke und als einziges Mobiliar dient ein Notebook, das eine simulierte Reiseroute als ritzomartiges Gespinsts, im Stil naiv abstrahierender Videospiele der frühen 80er Jahre zeigt.
Einerseits Minimalwohnraum, erinnert die Box an die provisorischen Unterkünfte nomadischer Obdachloser. Andererseits erweckt sie den Eindruck eines primitiven Transportvehikels auf einer absurden Abschussrampe skulptural exponiert, mit dem man per Mausklick durch die Welt zappen kann. Navigiert wird über das Kartenwerk, dessen zweidimensionale Darstellung Unebenheiten nivelliert und Welt zum beherrschbaren Schnittmuster reduziert.
"BLOCK" bildet ein modulares Ensemble, das sich formal an architektonischen Gegebenheiten der Ausstellungshalle orientiert und sich in seinen Dimensionen diesen Vorgaben nahezu widerspenstig entgegenstellt. Im Spannungsverhältnis von Assimilation und Entgrenzung erweist sich die Installation als ein komplexes Werkzeug, das eine (imaginäre) Verschränkung zwischen öffentlich und privat, Welt und Individuum organisiert. Dabei will vor allem die Begehbarkeit, im Sinne eines erweiterten Nutzens die Integrität des Einzelnen symbolisch bewahren und zu verantwortungsvollem, ästhetischem Handeln herausfordern. Jedoch betreibt die Arbeit keine künstlerische Umsetzung architektonischer und gesellschaftlicher Visionen oder Utopien, sondern trägt zuallererst unter Berücksichtigung vorgefundener Phänomene dem Grundbedürfnis des Wohnens Rechnung. Denn ist der Mensch ein Wohnwesen und kennzeichnet seinen Bezug Verhältnis zur Welt den eines Einwohners, haftet der kreativ selbstsichernden Lebensraumschöpfung eine dynamische Lebensqualität an. Aber verhält sich der Vorgang des Reisens nicht diametral zur physischen Grundfigur des Wohnens, zumal der Traum totaler Mobilität eine Erlösung vom Körper einfordern würde? Schnittmenge beider (Lebens-)Kategorien sind dagegen die individualisierenden Medientechniken, die sowohl einen virtuellen/mentalen Nomadismus bedingen, als auch den Kosmos in die private Weltblase holen sollen, um das Weltbildungsbedürfnis des Menschen im Sinne einer weltfernen Weltoffenheit zu leisten.



Ausstellung
heute hier morgen dort
Halle für Zeitgenössische Kunst, Münster 2004 / 2005
Kurator,
Marcus Lütkemeyer

BLOCK 2004
feat. Transporter, Inseln, entweder oder doch


So bildet die mediale Ausstattung der Transporterbox die Möglichkeit, Selbstbegleiter zu sein und gleichzeitig als Distanzgeber im Sinne eines Telesozialismus zu funktionieren, wodurch Vereinzelung und (Selbst-)Exploration sinnfällig zusammenfallen. Entsprechend ergänzt der Einwohner/Nutzer der Transporterbox sich nicht länger durch die Medien selbst, vielmehr geht er in ihnen auf. Folglich fehlt von ihm jede Spur und die Decke, als behagliches Instrument des Sich-Einräumens, auf der Suche nach dem unverwechselbaren Eigenraum, liegt zusammengeknüllt in einer Ecke. Die Blase ist zerplatzt und der Verlust des Körpers, als intimste Behausung, zeitigt das Paradox des letzten Schritts auf dem Weg der Individualisierung.
Wohin die Reise geht, bleibt ungewiss. Eine Hypothese liefern tendenziell zwei clipartig gebaute Filmsequenzen auf der Zwischenetage des Gerüsts und vor allem die beiden nahezu deckenhohen Baumhauscollagen, die als ironisch gebrochene Transzendierung des Themas ganz (un-)romantisch gerade solche Sinnprovinzen als Zufluchtsort anbieten, die sich allein durch ihre artifiziell entrückte Inszenierung ausweisen. So tauchen in den auf Papier gezeichneten Baumwipfeln Ausschnitte aus Lifestyle-, Mode- oder Urlaubskontexten auf, die sich als Embleme zeitgenössischer Robinsonaden im schönen Schein der Medien verflüchtigt haben, noch ehe man ihrer habhaft werden könnte.

Marcus Lütkemeyer, Münster 2004


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video (Transporter, 2000, cinema4D - Animation, colour / loop / 0:41 min.)
video (entweder oder doch video 2002, mpeg-video, 480 flyer, colour / sound, loop, 48 min.)
video (inseln, 2003, mpeg-video, colour / sound, loop 7,48 min)
Ausstellung
fresh and upcoming
Frankfurter Kunstverein, Frankfurt a.Main 2003
Kurator,
René Zechlin

INSELN 2003

René Zehs Installationen sind nicht abgeschlossen. Sowohl innerhalb der Arbeitsweise, bei der ElementeArbeiten Teil neuer Zusammenhänge werden, als auch in der thematischen Auseinandersetzung treten Brüche und Differenzen mehr in den Vordergrund, als dass sie dem Betrachter ein geschlossenes System präsentieren. Für die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein veränderte René Zeh (*1973, lebt in Düsseldorf) die räumlichen Gegebenheiten. Zwei sehr unterschiedliche Räume im Untergeschoss des Frankfurter Kunstvereins schieben sich durch Zehs Veränderung ineinander. Statt einer Vereinheitlichung rückt die architektonische Differenz nun noch stärker in den Vordergrund. Wo vorher eine Treppe war, muss der Besucher nun unbequem einen Absatz überwinden.
Die Veränderung entspricht der thematischen Auseinandersetzung, die in den Räumen stattfindet. Der Titel der Ausstellung „Inseln“ fasst die einzelnen Objekte von René Zehs Interesse zusammen. Es sind reale Zufluchtsorte, wie Lifestyle, Mode oder Urlaub, die eine Sehnsucht nach Ausbruch und Veränderung verkörpern, sich aber in Klischees und Tristesse verlieren. Zeh lässt dabei die Reflexion des eigenen Standpunktes nicht aus. Die Kunst zeigt sich als Oberfläche in Form von Hunderten Einladungskarten. Die Leere hinter dem Traum von der Hütte in der Südsee wiederholt sich durch die Negation jeglichen Inhalts in der Menge der Karten.
In den Arbeiten von René Zeh überlagern sich verschiedene Lebensformen, und anstatt diese gegeneinander auszuspielen, nutzt er deren Spannung, um die Divergenz der Realität zu fassen.

René Zechlin, Frankfurter Kunstverein 2003

video (mpeg-video, colour / sound, loop 7,48 min)

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Exhibition
fresh and upcoming
Frankfurter Kunstverein, Frankfurt a.Main 2003
Curator,
René Zechlin

INSELN 2003

René Zeh's installations are not finished. Fractions and differences appear not only in the way Zeh works where elements of his previous work become a part of new contexts but also in the way Zeh deals with his subject matter. Fractions and differences rather than a closed system are presented to the viewer. René Zeh (born 1973, lives in Düsseldorf) transforms the spatial conditions for the exhibition in the Kunstverein Frankfurt. Two very different rooms in the basement of the Kunstverein Frankfurt are connected through Zeh's transformation. Instead of standardization the architectural differences become more apparent. The visitor is forced to uncomfortably get past a half landing where the stairs once were.
The transformation suits the thematic discussion which takes place in the rooms. The title of the exhibition, "Islands", sums up the individual objects of René Zeh's interest. Real sanctuaries, like lifestyles, fashion, or holidays represent the longing for escape and change but which loose meaning in clichés and triteness. Zeh doesn't leave out his own reflection on the topic. The art is presented as superficiality in the form of hundreds of invitations. The emptiness behind the dream of the hut in the South Seas is repeated through the negation of each content in the amount of invitation cards.
In René Zeh's work various ways of life overlap. He uses their tension to grasp the divergence of reality instead of setting them up against each other.

René Zechlin, Frankfurter Kunstverein 2003

video (mpeg-video, colour / sound, loop 7,48 min)

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Ausstellung
change is good - rundgang 4
Kunsthalle Fridericianum, Kassel 1999
Kurator, Tobias Berger


Rom oder Rio, Sex oder Bratwurst, Board oder Kunstwerk. Fragen, die zwischen Kunst und Leben oszillieren, bestimmen das Werk des Düsseldorfer Künstlers René Zeh. Einige Elemente tauchen dabei wiederholt auf.
Transporter: mit denen man sich zu einem jeden beliebigen Ort der Welt beamen kann. So schnell wie im Internet eine Pauschalreise in die Karibik gebucht ist. Klick und weg. Dabei dienen schwarze Löcher nicht als Weltraumstaubsauger, sondern als Interface zwischen den Stationen. René Zehs Transporter erinnern dabei an provisorische Behausungen von nomadischen Obdachlosen, dekoriert mit den Stadtplänen der Weltmetropolen.
Stadtpläne: in jeder Buchhandlung für jede größere Stadt der Welt verfügbar. Jede Stadt mit einem anderen Muster aber sonst gleich: Kirchen durch ein Kreuz gekennzeichnet, Flüsse blau, wichtige Gebäude rot. Auf dem Papier sind alle gleich. Berge und Täler gibt es genauso wenig wie, Lärm, Schmutz oder Slums. Alles sieht aus als könnte man es bewältigen und sich orientieren. Wenn aus der Zweidimensionalität Realität wird, wird es ernst, aber dann ist es meisten auch zu spät und ein Falkplan lässt sich auch nicht wieder richtig zusammenfalten.
Reisen: Pauschalabenteuer in die Karibik, zum Einkaufen nach New York, kurz mal ein Wochenende zur Sydneybiennale. Reisen ist nicht mehr eine luxuriöse Entdeckungstour, sondern nervenraubendes Prestigegehabe. Alles ist möglich, und weil alles möglich ist, muss auch soviel wie möglich mitgenommen werden. Wie beim kalten Büfett auf der Weihnachtsfeier.
New York? Tokio? Paris. Information wird omnipräsent. Von jedem Ort der Welt kann das Wetter in der Heimat abgerufen werden, über GPS weiß ich jederzeit, wo genau, ich mich befinde und über UMTS werde ich weltweit erreichbar sein. Informationen explodieren und implodieren gleichzeitig.
Von der Globalisierung zum allumfassenden Empire. Es gibt kein Zentrum mehr, nur noch Zentren. Vielfliegen wird zum Zwang, zeitliche und räumliche Ausdehnung zur Allgegenwart. Wir bewegen uns immer mehr im vierdimensionalen Raum, das Interface wird zum Zuhause. Früher nannte man es - der Weg ist das Ziel -. Auch hier stehen Kunst und Künstler nicht hinten an, sonder sind Vorreiter. Nicht kritisierend, sondern dieses Kunst-Gesellschaftsspiel projizierend. Flexibler, Innovativer, Schöner. René Zehs Arbeiten fangen genau hier an.

Tobias Berger, Kunsthalle Fridericianum, 2001


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video (cinema 4D - Animation, colour / loop / 0:41 min.)


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Exhibition
change is good - rundgang 4
Kunsthalle Fridericianum, Kassel 1999
Curator, Tobias Berger

Rome or Rio, sex or Bratwurst, surfboard or artwork. Questions that oscillate between art and life determine the work of the Duesseldorf artist René Zeh. Several elements repeatedly crop up along the way.
Transporters: with which you can beam yourself to the place in the world of your choice. As quick as a package deal to the caribbean can be booked online. Click and away. Black holes serve in this context not as vacuums of space, but rather as an interface between stations. René Zeh's transporters remind us of the provisional accomodation of the nomadic homeless, decorated with the city maps of the capitals of the world.
City maps: available in every bookshop for every large city in the world.Each city with a different pattern but otherwise the same: Churches marked with a cross, rivers in blue and important buildings in red. On paper it's all the same. Mountains and valleys are as infrequent as noise, dirt and slums. You think you'll be able to handle it all, orient yourself. But things get serious when reality comes out of two dimensionality... by then it's usually too late though, and your fold up map will never fold up properly again.
Travel: package tour adventure in the caribbean, shopping in New York, a quick weekend away to the Sydney Biennale. Travel is no longer a luxurious tour of discovery, it's a nerve-wracking, ostentatious, prestige-enhancing performance. Everything is possible, and because everything is possible as much as possible has to be brought along. Like a cold buffet at christmas.
New York? Tokyo? Paris. Information becomes omnipresent. You can dial up to check the weather at home from any place in the world, with GPS I always know exactly where I am, and with UMTS I am able to be reached worldwide. Information explodes and simultaneously implodes.
From globalisation to an all encompassing empire. There is no longer a centre, merely centres. We are compelled to fly frequently, spatial and temporal expansion becomes everyday. We move around more and more often in four dimensional space, the interface becomes home. Earlier it was known as 'the means is the end'. Once again art and artists are not trailing behind. Instead they're out in front. Not criticising, but instead projecting this play between art and sociality. More flexible, more innovative, more beautiful. René Zeh's work begins right here.

Tobias Berger, Kunsthalle Fridericianum, 2001


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video (cinema 4D - Animation, colour / loop / 0:41 min.)


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